.. ist eine schwierigere und emotionalere Sache als ich gedacht hätte. Angefangen hat alles aus Freude am Ausprobieren, am Erschaffen (für mich) schöner Dinge. Die waren natürlich alles andere als perfekt und das sind meine Werke auch heute noch nicht. Dennoch kamen nach kurzer Zeit Anfragen, ob ich nicht dieses oder jenes auch für die Kinder von Freunden und Bekannten machen könnte. Habe ich natürlich gerne und unentgeltlich. Dann kam mein Blog und ich habe mehr genäht als Lilli tragen konnte und das Tauschen und meine Sachen wurden auch immer besser.
Dass ich meine Sachen nun auch verkaufe, hat sich eigentlich vor allem so ergeben. Als immer mehr Anfragen auch von Fremden kamen und ich mir den vielen Stoff alleine nicht mehr leisten konnte und die Leute mich auch gerne bezahlen wollten, habe ich ein Gewerbe angemeldet (das ist nun wenige Monate her). Und dann automatisch auch angefangen, Werbung zu machen und den obligatorischen Dawandashop und eine Facebookseite zu erstellen, denn ein Gewerbe kostet ja auch und der Gedanke, mit etwas, das man (meistens) liebt, Geld zu verdienen, ist dann schnell auch verlockend.
Nun ja .. und ich muss sagen, damit kamen auch die Probleme. Denn man wird ja nicht über Nacht total professionell und perfekt und unter dem Druck des Bezahlt werdens wird das schnell zu einem Problem. Denn es gibt immer Leute, die aber Perfektes erwarten (oder auch nur Perfekteres, als ich leisten kann). Da ich selbst nicht zum Perfektionismus veranlagt bin und es deswegen wahrscheinlich auch nie werde, kann ich an meine Werke nur meinen eigenen Maßstab anlegen und der besagt, dass "Handmade" für mich natürlich mit Liebe gefertigt sein sollte, auch mit Zeit und Mühe und nicht nebenbei und dass etwas, das man bezahlt, auch eine Weile lang halten und gut passen sollte, keine Frage. Aber für mich ist es auch wohltuend und eine mit der "Handmade"-Bewegung verknüpfte Idee, dass diese Teile eben nicht industriell gefertigt sind und somit auch kleine Schönheitsfehler haben können. So weit, so gut.
Nun hatte ich zweimal den Fall, dass Kunden nicht zufrieden waren (übrigens in beidem Fall Kunden die mich vorher schon mit vielen Nachrichten heruntergehandelt hatten) und daraus resultierte ein zermürbendes Hin und Her mit "Beweisfotos" wo der Makel sitzt und Gefeilsche um eine Preisminderung, Zugaben etc., verbunden mit (persönlicher) Kritik (zurückgeben wollten die Kunden die Ware jedoch nicht, das verstehe ich dann nicht). Das macht für mich so viel kaputt. Bei jedem Schritt, den ich nun beim Nähen mache, nagen Zweifel an mir, zerstört die innere Selbstkritik die Freude am Schaffen.
Dazu kommt, dass es ja viele Shops und Blogs gibt, die einem Perfektion zeigen. Das ist nicht mein Stil. Ich möchte nähen und nicht Hunderte von Euro in eine Kamera, meinen Blog etc. stecken. Ich will nicht perfekt sein. Aber gleichzeitig ist nun eine riesige Angst in mir, dagegen nicht bestehen zu können, Menschen zu enttäuschen und vielleicht vermessen zu sein, weil ich denke, dass manche Menschen gerne etwas bei mir kaufen und das Gekaufte dann auch mögen. Es gibt Tage, da will ich einfach aufgeben, weil ich so sehr zweifle, an dem, was ich mache, weil ich es nicht mehr nur mit meinen eigenen Augen sehe. Weil ich auf "Likes" warte oder auf Feedback und davon meine Zufriedenheit abhängig mache. Weil ich enttäuscht bin, wenn anderen ein Lieblingsstück von mir nicht so gefällt, wie es mir gefällt.
Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen möchte. Ob ich einfach ein dickeres Fell brauche, oder ob ich einfach wieder aufhöre, meine Sachen zu verkaufen oder ob ich doch versuche noch professioneller zu sein. Keine Ahnung. Aber ich möchte mit euch teilen, wie es mir geht, weil ich finde, dass es genau darum geht bei der ganzen Bloggerei... ums Teilen.. und vielleicht auch ums Verstehen. So und nun werde ich gleich noch einen weiteren Post verfassen über etwas Genähtes, denn ich kann nicht anders, es gefällt mir und ich will es euch zeigen ;)